Unternehmen

Stationen einer Erfolgsgeschichte

40 Jahre Bram im City Concorde: ein historischer Rückblick mit den wichtigsten Daten

1947
Jean Bram beginnt seine berufliche Laufbahn im Alter von 19 Jahren beim Grossisten Dupont.

1951
Mit 23 Jahren macht Jean Bram sich selbständig, und richtete sein 1 Geschäft zuhause in einer Mansarde ein. Gründung der Firma.

1957
Umzug in ein größeres Geschäft, Place de Strasbourg.

1961
Umzug in die Zithastraße.

1966
Eröffnung eines neuen Geschäftes in der Zithastraße, mit einer Fläche von 1000 qm.

1974
Am 9. Mai eröffnet Jean Bram das erste Einkaufszentrum City Concorde in Bartringen-Helfenterbrück; 12 Geschäfte unter einem Dach, Bram belegt eine Geschäftsfläche von 4000 Quadratmetern.

1982
Vergrößerung des Einkaufszentrums, jetzt mit 25 Geschäften.

1983
Bram beschäftigt 35 Mitarbeiter.

1984
Im Dezember verkauft Jean Bram die Geschäftsfläche seines Modehauses an das Münchner Modehaus Konen.

1993
Vergrößerung der Geschäftsfläche des Modehauses Bram im Einkaufszentrum Concorde von 4000 auf 6500 qm; 120 Mitarbeiter.

1997
Weitere Vergrößerung der Verkaufsfläche auf 8500 qm.

1999
Das City Concorde feiert seinen 25. Geburtstag.

2009
Vergrößerung des Einkaufszentrums, das jetzt 2500 Parkplätze zählt. Bram erweitert seine Geschäftsfläche auf 11000 Quadratmeter.

2014
Das City Concorde wird 40. Bram ist seit 30 Jahren eine erfolgreiche Zweigniederlassung der Konen Bekleidungshaus KG und beschäftigt 240 Personen.

Interview mit Jean Bram

Interview mit Jean Bram

"Unsere Stärke war unsere Weitsicht - und diese Weitsicht prägt unsere Aktivitäten bis heute!"

Was 1951 als kleines selbständiges Unternehmen in der Mansarde des Elternhauses begann, hat sich im Laufe der Zeit zu einem 11000 Quadratmeter großen Modehaus und einem der größten Einkaufszentren Luxemburgs entwickelt.

Herr Bram, Sie blicken auf ein langes erfolgreiches Leben zurück und haben mit Bram und City Concorde Ihr Lebenswerk geschaffen. Beschäftigen Sie sich heute noch aktiv mit der City Concorde?

Jean Bram: Nun, ich bin heute 86 Jahre alt, lege meine Hände aber noch nicht in den Schoß! Der Beitrag, den ich heute noch für City Concorde leiste, ist für mich eine Bestätigung und jetzt vor allem ein Hobby. Als ich jung war, konnte ich mich keinem Hobby widmen, ich war von morgens bis abends immer im Einsatz...

1945, im Alter von 19 Jahren, begann Ihr Berufsweg beim Großhändler Dupont...

Jean Bram: Ja, Armand Dupont hatte in der Goethe-Straße ein Textilgeschäft und arbeitete wie damals üblich mit Schneidern und Näherinnen zusammen. Im Grunde erlernte ich dort meinen Beruf in der Verwaltung. Dann gründete ich mit einem Verkaufsreisenden von Herrn Dupont, René Kiefer, ein Geschäft. Einige Jahre später trennten wir uns - Herr Kiefer behielt das von uns gegründete Unternehmen, und ich machte mich selbständig... Das war 1951, ich war 23 Jahre alt.

Wie groß war das Risiko damals für einen jungen Unternehmer?

Jean Bram: So groß, dass ich nicht selten mitten in der Nacht nassgebadet aufwachte. Mein Vater hatte das Startkapital von 100 000 Franken bei der Sparkasse geliehen, er bürgte für mich - als einfacher Bahnangestellter, der selber kein Geld hatte. Ich richtete mein Geschäft in Bonneweg ein, in einer Mansarde im Elternhaus! Das muss man sich überlegen, in einer Mansarde, unter dem Dach! Mein Büro befand sich in unserer guten Stube, ich hatte eine riesige Continental-Schreibmaschine - das war meine Verwaltung!

Und das Geschäft in der Mansarde war ein Erfolg...

Jean Bram: Es war sehr erfolgreich. So sehr, dass ich 1957 umziehen konnte neben das damalige Economat am Straßburger Platz. Das Geschäft war 80 Quadratmeter groß. Ich hatte die Zeichen der Zeit erkannt und hörte damit auf, die Schneider und Näherinnen zu besuchen, weil mich das nicht vorwärts brachte. Ich begann mit Kurzwarenhandel, also "Mercerie", mit "Bonneterie", Wirk- und Strickware, mit Unterwäsche... und ich verkaufte als Erster in Luxemburg italienische Strickware. Ich ließ nicht locker und wurde von meiner Frau, die ich mit 25 Jahren geheiratet hatte unterstützt. Wir arbeiteten Tag und Nacht, um das Geschäft aufzubauen und voran zu bringen. Wir waren hungrig und wollten beweisen, dass man etwas erreichen kann. Unsere Stärke war unsere Weitsicht - und diese Weitsicht prägt unsere Aktivitäten bis heute!

Ihre Erfahrungen im Ausland standen also Pate für den Erfolg des Shopping Center Concorde...

Jean Bram: Ja, und die Luxemburger Kundschaft nahm das Concorde sofort an. Es war auch ein anderes Einkaufszentrum als jene in Deutschland, die eher große Schuppen auf der grünen Wiese waren. Wir hatten uns zwar auch auf der grünen Wiese niedergelassen, aber wir setzten Zeichen mit unserer attraktiven Mall mit Wasserfontänen und Papageien - die Luxemburger trauten ihren Augen nicht! Unser Motto damals war übrigens "Shop, Smile and Buy"! Aber es wurde immer weiter investiert. 1982 wurde die Concorde- Galerie mit den Steinbögen und Laternen eingerichtet, und es kamen weitere Geschäfte hinzu...

Und dann entschieden Sie sich, das Textilgeschäft aufzugeben und die Marke Bram zu verkaufen. Wieso kam es dazu?

Jean Bram: Meine Tochter Claire, die bereits in der Verwaltung unseres Unternehmens arbeitete, wollte das Textilgeschäft nicht übernehmen, weil sie miterlebt hatte, wie ihre Eltern sich abgerackert hatten. Also musste ich nach dem geeigneten Mieter suchen, der meinen Namen, meine Geschäftsinstallationen und die Ware übernehmen wollte. Ich machte mich selbst auf die Suche nach dem geeigneten Unternehmen. Dank meinen Verbindungen, die ich über die Einkaufsverbände knüpfen konnte, kannte ich das Unternehmen Konen aus München. Konen war der ideale Partner, ein seriöses, sehr gut aufgestelltes Familienunternehmen, das beste Kleiderwarengeschäft in Bayern und dort eines der größten. Das Geschäft der Familie Konen genoss einen sehr guten Ruf und konnte auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken. Als Dr. Godl von der Firma Konen das Geschäft Ende 1984 übernahm, wollte ich aber auch dafür sorgen, dass dieser Übergang reibungslos vonstatten ging. Deshalb blieb ich mit meiner Frau ein Jahr lang im Geschäft tätig, ohne Entlohnung. Konen präsentiert sich seit dem 10. Dezember 1984 im Shopping Center Concorde unter dem Namen Bram. Das Geschäft hat sich zu einer wichtigen Säule im Concorde etabliert.

Das Einkaufszentrum Concorde wird von der "Société civile Bram Concorde" gemanagt - einem Unternehmen der Familie Bram...

Jean Bram: Nach der Bram-Übernahme von Konen war ich nicht mehr in das Modegeschäft eingebunden, ich kümmerte mich aber intensiv mit der Verwaltung und der Entwicklung des Einkaufszentrums, die ein ständiger Prozess ist und bleiben muss. 1995 kam es wieder zu einer Vergrößerung: Wir baute auf drei Stockwerken die Plaza, die wir heute kennen, und neu war auch ein Kindergarten für Drei- bis Fünfjährige. Von 1995 bis 1996 vergrößerten wir die Verkaufsfläche des Modehauses Bram Concorde, das ja schon seit mehr als zehn Jahren von Konen geführt wurde, auf 8000 Quadratmeter Fläche. Mit dieser großen Verkaufsfläche war Bram in Luxemburg und über die Grenzen hinaus einmalig, und das können wir heute jeden Tag beweisen. Das Tradig Up im Concorde ging regelmäßig weiter, und so richteten wir 2001 hinter dem Geschäftshaus Imac weitere Abstellplätze für 500 Autos und eine Passage ein, die seit 2008 überdeckt ist, klimatisiert, geheizt angenehm - einfach up to date! 2008 wurde mein Schwiegersohn Romain Koster Teilnehmer in unserer "Société civile Bram Concorde", die wir 1985 gegründet hatten. Herr Koster wurde zum Manager berufen und er hat das City Concorde zusammen mit seiner Frau, meiner Tochter Claire, mit Erfolg geleitet. Die letzte wichtige Vergrößerung des City Concorde fand ja 2009 statt, und Bram weitete seine Verkaufsfläche von 8000 auf 11000 Quadratmeter aus!

Hatten Sie im Laufe Ihrer Karriere Bedenken, in ein größeres Projekt zu investieren, hatten Sie zuweilen Zweifel an Ihren Vorhaben? Und wie geht es weiter?

Jean Bram: Das Risiko muss immer kalkulierbar sein, und man muss Weitsicht haben. Ich bin nicht einfach in ein Projekt gesprungen, sondern habe weitergedacht. Es kam ein Zeitpunkt, an dem ich mich entwickeln musste, sonst wäre ich überrollt worden. Heute hat unser Unternehmen eine gewisse Größe erreicht, aber Concorde wird sich weiterentwickeln! Heute kann ich sagen: Happy Birthday City Concorde für Deine 40 Jahre. City Concorde - immer jung! Wir, die Familien Bram-Peters und Koster-Bram, wünschen dem City Concorde weiterhin Erfolg. Wir möchten auch allen Kunden danken, die uns besucht haben - denn es sind unsere Kunden, die geholfen haben, das Image von City Concorde zu etablieren.

Mode als Ausdruck des Lebensgefühls und des Wohlbefindens

Mode als Ausdruck des Lebensgefühls und des Wohlbefindens

Vor 30 Jahren übernahm das Bekleidungshaus Konen aus München die Leitung des Hauses Bram in Luxemburg. Die zwei Mode-Häuser passten von Beginn an hervorragend zusammen, weil das Commitment für Qualität, Kundenorientierung und Service auf beiden Seiten sehr stark ausgeprägt war und ist. Dass das Modegeschäft extrem spannend ist, erfahren Sie in unserem Interview mit den Unternehmensleitern Dr. Gabriele Castegnaro, Dr. Tobias Ponn und Peter Eberle.

Ein Gespräch über Trends und Gegentrends, Evergreens und Modesünden, Personal und Kundschaft sowie die kleinen, feinen Unterschiede im Modeverhalten der Luxemburger und der Münchener.

Was ist Mode eigentlich?

Peter Eberle: Zeitgemäße Bekleidung, die Spaß macht... Ein Verstärker der eigenen Persönlichkeit...
Dr. Gabriele Castegnaro: Mode ist auf jeden Fall etwas, was sich immer ändert, etwas sehr Individuelles. Und sie wird immer individueller durch Blogs, durch verschiedene Testimonials und durch eine sehr freie Art umzugehen mit dem, was man gerade tragen kann und was nicht.

Gibt es einen Unterschied zwischen der Mode in München und der Mode in Luxemburg, und dem Angebot Ihrerseits auf diesen beiden Märkten?

Peter Eberle: Die Angebote sind überwiegend gleich. Wir werden aber leider von verschiedenen Marken entweder in München oder in Luxemburg nicht beliefert, obwohl wir es gerne möchten, weil diese Marke auf diesem Markt schon über einen anderen Händler positioniert ist.

Reagieren die Kunden in Luxemburg und in München unterschiedlich auf Mode-Angebote allgemein, auf Trends?

Peter Eberle: International nähern sich die Geschmäcker sehr, es gibt aber ein paar Ausprägungen, die Luxemburger Kunden von den deutschen unterscheiden. In Luxemburg legt man zum Beispiel etwas mehr Wert auf die Bekleidung bei offiziellen, festlichen Anlässen. In München ist es kein Problem, wenn fünf Leute mit dem gleichen Kleid unterwegs sind, denn die Wahrscheinlichkeit, dass die sich dann auf demselben Event treffen, ist gering. In Luxemburg aber könnte es durchaus passieren, dass der Nachbar die gleiche Kleidung trägt... Das wäre dann nicht so spannend. Die Luxemburger Kundin mag es femininer.

Worauf führen Sie das zurück?

Dr. Gabriele Castegnaro: Es mag tatsächlich etwas damit zu tun haben, dass München eine Großstadt ist und Luxemburg eine kleinere Einheit. Es mag auch mentalitätsbedingt sein, dass gerade die deutschen Frauen sich nicht so wirklich trauen, ihre Feminität zu leben - die Luxemburgerinnen vielleicht doch ein bisschen mehr.
Dr. Tobias Ponn: Ich habe das Gefühl, dass es in Luxemburg mehr gesellschaftliche Anlässe gibt als in München. Dass die Münchener Kundin also vielleicht eher ein Outfit fürs Büro sucht, eine Luxemburger Kundin eher Kleider für Feiern, Kommunionen...
Dr. Gabriele Castegnaro: Was auch auffällig ist: Die Luxemburger Frauen, aber insbesondere auch die Männer, achten sehr auf Wertigkeit, also dass die Ware und die Verarbeitung gut sind, von dem Ganzen soll eine entsprechende Ausstrahlung ausgehen. In München ist dies vielleicht nicht ganz so wichtig, dort interessiert man sich vielleicht eher für ein modischeres Teil, das von der Verarbeitung und vom Stoff her nicht ganz so ausschlaggebend sein muss.

Welche Rolle spielen die neuen, schnellen Medien heute bei der Verbreitung von Modetendenzen, von Trends?

Dr. Gabriele Castegnaro: Eine extrem große Rolle. Die meisten Menschen sind ja wenigstens einige Minuten, viele mehrere Stunden am Tag im Internet. Offizielle Mode-Seiten gibt es dort ja inflationär, aber auch Modeblogs und irgendwelche Guerillaseiten, die nicht nur Celebrities und Promis mit den neuesten Trends zeigen, sondern auch ganz normale Menschen auf der Straße. Es gibt ein Format, The Sartorialist, bei dem Menschen, die einen sehr guten Stil haben oder irgendwie stimmig oder interessant angezogen sind, abgebildet werden. Auf diese Weise informieren sich die Leute, sie sehen etwas, das ihnen gefällt und kommen dann ins Geschäft sehr gut informiert über die Marken und was angesagt ist. Manchmal müssen die Mitarbeiter schauen, dass sie mit ihrer eigenen Information Anschluss halten, um auch solchen Kunden gegenüber als kompetenter Gesprächspartner auftreten zu können.

Als Konen vor 30 Jahren Bram übernahm: Wie war damals das Verständnis für Herren-, Damen-, Kinder- und Jugendmode? Wie war das Kaufverhalten im Vergleich zu heute? Wie hat man damals auf Trends reagiert?

Peter Eberle: Das hat sich sehr geändert. Damals wurde im Grunde zweimal im Jahr eingekauft, es gab eine Sommerkollektion und eine Winterkollektion. Der Einkauf dauerte damals etwa vier Wochen, danach war das Thema erledigt. Die Käufer haben sich das besorgt und gingen vielleicht noch einmal zum Saisonende einkaufen, um sich Dinge zu besorgen, die noch auf Lager waren. Das ist heute überhaupt nicht mehr so. Im Grunde endet für uns der Einkauf nie: Verschiedene Marken haben zehn bis zwölf Programme pro Jahr. Wir müssen quasi alle vier Wochen beim Hersteller vorstellig werden und die jeweiligen Themen aussuchen.
Dr. Gabriele Castegnaro: Das hat wiederum mit der Informiertheit der Kunden zu tun. Je eher ich 'just in time' sehe, was irgendjemand in Los Angeles auf der Straße trägt, desto eher werden auch Begehrlichkeiten nach solchen Trends geweckt - und es ist eine große Herausforderung für uns, dem dann auch einigermaßen gerecht zu werden. Das war früher nicht so, da hat man die Leute eher noch inspiriert und vorgegeben, was zu tragen ist - die Situation ist heute viel komplexer.

Gibt ein aktueller Trend Ihnen Hinweise auf das, was in den kommenden Saisons zum Trend werden kann? Beeinflusst ein Trend den oder die nächsten? Gibt es da eine Logik?

Peter Eberle: Ja, sicher. Zuallererst bekommen natürlich die Einkäufer in ihren Gesprächen mit den Herstellern mit, was in Mode kommen wird, besonders bei den Herstellerpräsentationen...
Dr. Gabriele Castegnaro: ... eigentlich gibt es Indikationen teilweise schon zuvor auf den Stoffmessen.
Peter Eberle: Ja, letztlich geht es über mehrere Stufen. Die Grundsteine für die Trends werden auf den Garnmessen gelegt. Bevor die Stoffe gewebt werden, kündigen sich auf diesen Messen bereits erste Farbtendenzen an. Daraus entstehen dann die Stofftendenzen, und dann werden diese zu den entsprechenden Kleidungsstücken zusammengeführt. Trotzdem gibt es wegen der Schnelligkeit der heutigen Zeit dazwischen immer wieder irgendwelche Entwicklungen... Wenn die Designerschauen in Mailand stattfinden, dann sind die normalen Kollektionen im Grunde schon alle geschrieben. Aber es gibt viele Hersteller, die sofort darauf reagieren, auf gewisse Tendenzen noch einmal eingehen und ihre künftigen Kollektionen dann in diese Richtung bewegen. Es gibt heutzutage auch nicht mehr so diesen einen Trend, der ein halbes Jahr lang hält - eher den Bruchteil eines Jahres...
Dr. Gabriele Castegnaro: Es gibt auch eine gewisse Logik in der Abfolge. Wenn sehr knallige Farben dran sind, dann ist fast klar, dass danach eine Beruhigung kommt. Die Frage ist nur, wann...

Trend erzeugen Gegentrends...

Dr. Gabriele Castegnaro: Genau. Es gibt in unserer Branche Trendforscher, mit denen wir zusammenarbeiten. Diese beobachten die Modeschauen und die Tendenzen der Designer ganz genau, und sie teilen unseren Einkäufern mit, worauf sie setzen würden... Das ist eine gewisse Beratung, sage ich mal vorsichtig - aber keine Garantie!

Eine Wissenschaft ist Trendforschung demnach nicht?

Dr. Gabriele Castegnaro: Nein, ganz bestimmt nicht.
Dr. Tobias Ponn: Den kleinen aber feinen Unterschied macht aber am Ende die Besetzung des Personals, sprich unserer Einkäufer, die Fingerspitzengefühl mitbringen müssen, diese gewisse Sensibilität für schwache Signale auf sich abzeichnende Trends, damit wir frühzeitig darauf reagieren können. Das macht den feinen Unterschied bei der Qualität des Einkaufs aus.

Es muss doch auch sehr spannend sein, einen Gegentrend mitzusteuern?

Dr. Gabriele Castegnaro: Nun... Sehr, sehr lange schon sind Röhrenhosen für Frauen, ganz knackige schmale Hosen, in Mode. Es ist heute aber noch immer kein halbwegs ernstzunehmender Trend zu sehen, dass sich das ändern würde - dabei geht das schon einige Saisons lang so. Dies hat auch mit einer Grundtendenz zu tun: solche knackigen, engen Hosen stehen Frauen auch wirklich sehr gut. Dies wird wohl noch lange so bleiben, und auch das zu erkennen ist wichtig. Wenn eine Mode sich so lange hält, dann ist das auch Ausdruck des Lebensgefühls, eine Form des Wohlbefindens: Wenn Sie es einmal gewohnt sind, schöne, weiche, fluffige Kaschmirteile zu tragen, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sie irgendwann einmal wieder auf kratzige, nicht richtig sitzende Teile zurückgreifen werden...
Peter Eberle: Trotzdem versuchen die Designer immer wieder, auch dies aufzubrechen, aber eben ohne Erfolg. Was auch zu dieser Trendgeschichte mit den schmalen, eng sitzenden Hemden passt: Es hat sich auch bei den Männern durchgesetzt, dass diese schlanke Silhouette heutzutage Usus ist. Die verschiedensten Designer probieren zwar immer wieder, den zweireihigen Anzug wieder zu propagieren oder die Hose mit Bundfalte, aber die Zeit ist noch nicht reif, dass der Konsument das mitmacht.
Dr. Gabriele Castegnaro: ... und dass es auch eine breitere Masse erreicht. Es sind vielleicht mal einzelne Informierte, die sich dafür interessieren, aber diese Trends setzen sich einfach nicht durch.

Welche Modesünde war in den letzten Jahrzehnten ganz besonders schlimm?

Peter Eberle: Eine ganz schlimme muss so etwa auf die Mitte der 80er Jahre zurückgehen, und sie kehrte in den Neunzigern noch einmal zurück: Orange und Apfelgrün...
Dr. Tobias Ponn: Das war ein Alptraum, ein echter Alptraum. Solche Teile liegen bei uns in der so genannten Weihnachskiste, in der wir das entsorgen, was überhaupt nicht mehr verkäuflich ist...
Dr. Gabriele Castegnaro: Ich jobbte damals zu meiner Abiturzeit bei Konen in München im Verkauf, und kann mich noch genau an diese orangegrünen Stände erinnern. Davon ist einem fast übel geworden. Das sind aber auch Farben, die niemandem stehen, kaum jemand kann das tragen!

Welche Modetrends oder Modeideen haben sich in den letzten Jahrzehnten gehalten, welche sind Evergreens geworden?

Dr. Gabriele Castegnaro: Also, was basic geworden ist, das sind natürlich Jeans...
Peter Eberle: Und was ich in der Form nicht für möglich gehalten hätte, das ist diese schmale Hose bei Männern und Frauen. Dauerläufer sind auch bügelfreie Hemden, der Kaschmirpullover...
Peter Eberle: Was auch sicher bleiben wird, das ist das Thema Baukastenanzug - ein fürchterlicher Name für die Möglichkeit, dass man keinen kompletten Anzug kaufen muss, also Hose und Sakko in der gleichen Größe, sondern dass man im gleichen Stoff, die Größen quasi kombinieren kann.
Dr. Gabriele Castegnaro: Was meiner Empfindung nach viele Jahre lang nicht mehr angesagt war aber vor fünf Jahren wieder aufgeploppt ist - das ist das Kleid. Es hat sich zu einem Klassiker entwickelt, in ganz vielen verschiedenen Schnitten. Ein klarer Trend, der wieder in Richtung Feminität geht.
Peter Eberle: Bei den Damen geht die Entwicklung generell in die Richtung, was wir vom Einkauf immer einzelteilig nennen. Also dass der Kunde nicht mehr ein komplettes Outfit kauft, was eins zu eins aufeinander abgestimmt ist, sondern dass Hose und Oberteil und Pullover teilweise unterschiedlicher Hersteller, zum Teil mit unterschiedlichen Richtungen, zusammengestellt werden.
Dr. Gabriele Castegnaro: So wie man früher ein komplettes Schlafzimmer gekauft hat, so hat man ehemals ein komplett aufeinander abgestimmtes Outfit, am besten noch mit dem passenden Schmuck und den Schuhen, gewählt. Heute ist es Trend, ganz verschiedene Teile, auch aus ganz unterschiedlichen Preislagen und aus verschiedenen stilistischen Richtungen, zusammenzustellen. Man sieht oft nicht auf den ersten Blick, ob es sich um ein ganz günstiges Stück handelt oder um ein sehr sehr teures Designerteil. Das zu mischen, macht auch eine gewisse Spannung und Individualität aus.

Ein Slogan des Hauses Bram lautet "Créer la maison de mode parfaite". Was ist ein perfektes Modehaus?

Dr. Tobias Ponn: Das perfekte Modehaus ist das, in dem sich der Kunde wohlfühlt und gerne einkaufen geht. Das kann man schnell auf den Punkt bringen. Die Frage ist nur, wie weiß ich, was der Kunde gerne möchte und wo er sich wohl fühlt.
Dr. Gabriele Castegnaro: Was bei Bram besonders wichtig ist und was vielleicht beim ersten Kontakt gar nicht so bewusst wird, das ist die Ausstrahlung der Menschen, die in einem solchen Geschäft arbeiten. Wenn der Kunde ein Geschäft betritt und erst einmal von oben bis unten gemustert wird, dann macht das einen ganz anderen Eindruck als wenn man herzlich empfangen und freundlich begrüßt wird. Wichtig ist auch, dass man den Kunden auch einfach mal so sein lässt, den Menschen annimmt so wie er ist, ohne zu werten und erst recht ohne abzuwerten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Umgang der Kollegen miteinander, also ob die Mitarbeiter in einer Angstkultur leben, ob sie Angst vor ihrem Vorgesetzten haben, ob sie tuscheln oder sich verstecken müssen..., oder ob sie ein offenes, entspanntes Verhältnis zueinander haben. Das kriegt der Kunde sofort mit!

Kein Erfolg also ohne gutes Arbeitsklima...

Dr. Gabriele Castegnaro: Wir glauben, dass die Art, wie die Führungskräfte und auch die Geschäftsleitung die Mitarbeiter behandelt, sich eins zu eins in dem Verhältnis vom Mitarbeiter zum Kunden widerspiegelt. Das ist ein ganz wichtiger Punkt! Gerade in einem so kundenkontaktintensiven Business, wie wir es betreiben, ist die Art, wie wir mit unseren Mitarbeitern umgehen, von entscheidender Bedeutung.

Wie erreicht die Bram-Geschäftsleitung dieses Ziel?

Dr. Gabriele Castegnaro: Das geht nur, wenn man selber auch bereit ist, seine eigenen Schattenseiten zu integrieren. Wenn ich als Chef faul bin und sage "mich kontrolliert keiner und ich hole mir auch nie ein Feedback ein", wenn ich jede Form von Empathie, aber erst einmal Menschenkenntnis für mich selbst nicht habe... ja dann wird es ganz schwer, einigermaßen einfühlsam mit dem Gegenüber umzugehen. Die Art, wie man erst einmal mit sich selber umgeht, ist die wichtigste Voraussetzung, wie man mit anderen Menschen umgeht und wie viel man generell auf das Thema Beziehungsqualität wert legt. Ich glaube schon, dass wir von der Geschäftsleitung uns der einen oder anderen Maßnahme intensiv unterzogen haben, und das erwarten wir auch von unseren Mitarbeitern: Dass jemand sich als Person weiterentwickeln möchte, und dass man sich nicht irgendwann mal auf die faule Haut legt und behauptet, man ist super wie man ist, und wenn etwas nicht funktioniert, sind sowieso die anderen schuld. Dazu gehört auch die Bereitschaft zu schauen, wie die eigene Wirkung ist, wo die eigenen Schwachstellen sind. Und der Wille, damit in möglichst liebevoller Weise umzugehen, es anzunehmen und eben im zwischenmenschlichen Kontakt etwas zu verbessern. Es ist diese Grundvoraussetzung, diese Form von Wertschätzung und Respekt sich selber gegenüber - und damit auch für den anderen. Es geht darum, dass mein Gegenüber merkt, dass ich freundlich bin, dass ich mit Respekt auf ihn zugehe und nicht gleich auf die Sache lospoltere. Es ist auch wesentlich, dass man als Vorgesetzter die Leistung und das, was in der Sache passiert, sehr stark trennt von dem betroffenen Menschen. Es wird niemand ein schlechter Mensch, weil er eine schlechte Rückwand aufgebaut oder eine schlechte Dekoration gemacht hat. Auch das zu trennen, ist ein ganz wichtiger Punkt. So gibt es viele kleine Dinge, die Achtsamkeit erfordern und die wir versuchen beim Kunden und bei Bram zu leben. Um das zu erreichen, werden unsere Mitarbeiter geschult. Aber sie müssen auch konsequent sein gegenüber Menschen, die nicht mitmachen, sie müssen sehr klare Grenzen setzen. Es ist nicht zu unterschätzen, wie viele Menschen sich einfach nicht mit sich selber auseinandersetzen wollen. Das ist aber die Grundvoraussetzung dafür, dass sich überhaupt etwas entwickeln und dass man etwas ändern kann. Jemand, der sich immer als Opfer fühlt und sagt, er könne sowieso nichts ändern, der wird in unserer Kultur wahrscheinlich nicht glücklich werden.
Dr. Tobias Ponn: Im Kern des Ganzen sind wir letztlich ein wirtschaftlich handelndes Unternehmen. Wir legen viel Wert darauf, ein Leistungsumfeld zu schaffen, in dem sich der Mitarbeiter entwickeln, entfalten und Leistung erbringen kann - und so muss auf der anderen Seite aber auch klar kommuniziert werden, dass diese Leistung im zweiten Schritt eingefordert wird.
Dr. Gabriele Castegnaro:
Es gibt ein Interview mit Konen, das überschrieben ist "Wir sind keine Therapieanstalt". Es geht uns nicht darum, die Welt zu verbessern oder wirklich tiefe psychologische Dinge bei den Menschen anzugehen. Wir sind der Meinung, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist und dass jeder als gesunder und freier Mensch entscheidet, ob er zu uns kommen will und sich auch unseren Weiterentwicklunsmaßnahmen unterziehen möchte. Wobei wir dabei auch eine klare Grenze ziehen müssen, wenn es pathologisch wird, denn wir haben keinen Verbesserungs- oder Heilungsanspruch. Aber das verwechseln manche.

Sie waren alle drei nicht dabei, als Konen das Haus Bram vor 30 Jahren übernahm. Aber haben ähnliche Unternehmenskulturen nicht auch zur Verschmelzung der beiden Unternehmen geführt?

Peter Eberle: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass damals, als die Herren Bram und Dr. Godl zusammenkamen und über die Übernahme sprachen, die jeweiligen Werte der beiden Häuser ziemlich nah beieinander waren.
Dr. Gabriele Castegnaro: Ich glaube, damals sind solche Dinge nicht bewusst passiert. Es waren wahrscheinlich viele Elemente, die zusammenpassten. Wir, die junge Generation, haben vor etwa dreizehn Jahren angefangen, uns intensiv mit solchen Dingen zu beschäftigen. Wir haben zuerst einmal bei uns geschaut, wo es eigentlich hakt, und uns dann diesem Thema genähert. Es ist immer noch ein großer Auftrag, diese für uns weit entfernte Filiale in Luxemburg in die Konen-Kultur zu integrieren.
Peter Eberle: Es gehörte bei Konen und bei Bram immer schon zur Gewohnheit, regelmäßig Betriebsfeste zu organisieren, für die Mitarbeiter. Wir wollen nicht nur zusammen arbeiten, sondern auch zusammen feiern. Es ist uns wichtig dabei, Bram und Konen nicht zu sehr zu vermischen, sondern wir möchten, dass die Mitarbeiter an den beiden Standorten ihre eigene Wertschätzung erfahren.
Dr. Gabriele Castegnaro: Ich will aber unterstreichen, dass sowohl bei Konen als auch bei Bram gerne und richtig gefeiert wird. Wir haben einen echten Party-Spirit.

Da kommen sich Luxemburger und Bayern sehr nahe...

Dr. Gabriele Castegnaro: Ja, da sind sie sich sehr ähnlich. Übrigens kommen die Luxemburger Führungskräfte dieses Jahr zum Oktoberfest nach München...